Blog #6: Aufgeben gilt nicht!

Der Schock saß tief und einige Tränen aus Frust und Wut konnten wir nicht zurückhalten. 

Wenn man so sehr und unbedingt an einer Idee festhalten möchten, braucht es Pizza vom Lieblingsitaliener, eine Familie, die Mut zuspricht und Kampfgeist. Uns war schnell klar, dass wir ohne Hilfe eines Experten in dem Wirrwarr aus Verordnungen und Erlässen wenig erreichen konnten. 

Unser erster telefonischer Kontakt zu einem Berater (Consultant) mit Biozid-Expertise war für den Mülleimer: Er erklärte uns lachend, dass wir mit unserer Idee NIEMALS Erfolg haben könnten, dass wir wir sehr blauäugig  und zu unerfahren sind, unser Produkt stabil und marktreif auszugestalten und dass er an unserer Stelle die "nette Idee" als Lebenserfahrung sehen und beenden sollten. Hierzu erspare ich mir jeden weiteren Kommentar.

Wir nahmen Kontakt zum Regierungspräsidium auf und führte viele Telefonate. Leider konnte uns niemand unterstützend weiterhelfen, alle verwiesen uns an die Bundesbehörde, die hier final den Sachverhalt sichten und bewerten musste.

Wir googelten uns die Finger wund - es gibt so viele Produkte, die in Online-Shops als Räucherpulver zur Insektenabwehr verkauft werden - ohne Deklaration als Biozid. Zudem verwendet jeder Imker dieselbe Technik.


Auf Wikipedia ist hierzu zu lesen:

"Der Smoker ist ein Imkereigerät, das der Raucherzeugung in der Imkerei dient. Der Rauch stellt die Bienen ruhig und erleichtert dem Imker die Arbeit am Bienenvolk."
"Die Anwendung dieses Rauches ermöglicht dem Imker ein ruhigeres und stichfreies Arbeiten am Bienenvolk. Rauch wird von Bienen wie auch von vielen anderen Tieren als Bedrohung empfunden, seine Wahrnehmung veranlasst Bienen, Vorbereitungen für eine bevorstehende Flucht aus dem Stock zu treffen. Sie füllen ihre Honigmägen als Nahrungsvorrat für die Flucht, dabei sind sie so abgelenkt, dass sie imkerliche Arbeiten am Volk nur vermindert wahrnehmen"

Keines der angebotenen Räucherpulver, welches von Imkern verwendet wird, wird als Biozid deklariert (warum auch ...)

Als uns all diese Argumentation nicht weitergeholfen hat, schalteten wir einen Gang nach oben und durchsuchten das Internet nach juristischer Hilfe. 

Anwalt Nr. 1 "musste sich beraten und unser Anliegen prüfen" und kam für eine ansprechende Beratungspauschale zu der Erkenntnis, dass er uns nicht weiterhelfen konnte. Es schien nahezu ausweglos aber noch immer wollten wir uns nicht geschlagen geben und suchten nach einem Experten im Biozidrecht, den wir mit unglaublichem Glück und Zufall auch fanden.

Um viele Telefonate schnell zusammen zu fassen: Unser Experte musste zwar feststellen, dass wir das VapoPulver mit zugesetztem Kaffee nicht in seiner ursprünglich angedachten Form verkaufen dürfen.
ABER: Wenn wir ein Pulver verkaufen, dass lediglich den Rauch aromatisiert, untersteht dies nicht dem Biozidrecht und und ist somit erlaubt. Ein lösungs-orientierter Ansatz, der für uns die Wende in unserem Drama bedeutete.

Mit dieser Erkenntnis waren wir wieder am Start, klatschen uns "high-five" ab und drückten und umarmten uns sehr lange. Zu sagen, was nicht geht, ist die eine Sache - das können immer sehr viel. Herauszufinden, wie etwas ermöglicht wird, können wenige. Unserem Experten sind wir sehr sehr dankbar, dass er uns ermutigt und mit gefiebert hat und uns eine großartige Möglichkeit eröffnet hat, VapoPulver legal zu vertreiben. Diese Bestätigung liegt uns mittelerweile auch schriftlich von der Behörde vor.

Unser "ReStart" wurde gefeiert - wir hatten nun die schöne Aufgabe, neue VapoPulver zu entwickeln und präsentieren stolz auf Happy Haily, Rosy Orange und Lemon Basil.

Happy Haily riecht nach warmen Sommerabenden, wir haben Heublumen mit Thymian und Zitronengras gemischt, einer ruhiger Duft, der dezent riecht.

Rosy Orange und Lemon Basil beschreiben schon im Namen die Inhaltsstoffe: Rosmarin mit Orangenschalen bzw. Basilikum mit Zitronenschale machen Lust auf Sommer und schöne unbeschwerte Momente im Freien.

Alle Zutaten unser VapoPulver sind ausschließlich auf Bio-Basis und werden vom Kunden mit eigenem Kaffeepulver vermischt (was nach Aussage der Behörde erlaubt ist).

 

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